03.02.2017

Streit im Malteserorden

Vertrauen zurückgewinnen

Der Großkanzler des Malteserordens, Albrecht Freiherr von Boeselager, äußert sich zur Krise - und will schnell nach vorne blicken.

Albrecht von Boeselager ist wieder Großkanzler des Malteserordens. Foto: KNA

Die Ursache der Krise im katholischen Malteseroden ist aus Sicht des Großkanzlers Albrecht von Boeselager eine schlechte Beratung des Großmeisters Matthew Festing. Auf die Frage, ob Festing oder der Kardinalpatron des Ordens, Raymond Leo Burke, gelogen hätten, wollte Boeselager am Donnerstagabend in Rom nicht antworten. Er betonte erneut, er habe ein reines Gewissen; die Vorwürfe gegen ihn seien haltlos. "Das hat, soweit ich weiß, auch die Untersuchung des Vatikan ergeben."

Der Orden müsse nun nach vorne blicken und sich wieder auf seine soziale und humanitäre Arbeit konzentrieren. "Wichtiger, als die Krise des Malteserodens sind die weltweiten Krisen", so Boeselager. Zum Glück habe der Streit im Orden sich nicht zu stark auf Spenden und Hilfsprojekte ausgewirkt.

Boeselager war im Dezember vom Amt des Großkanzlers enthoben und Ende Januar wieder eingesetzt worden. Dieser Schritt hatte zu einem schweren Konflikt zwischen Festing und dem Vatikan geführt. Der Großmeister warf dem Deutschen vor, die Verteilung von Kondomen durch eine Partnerorganisation in Myanmar 2013 nicht gestoppt zu haben. Boeselager wies die Vorwürfe zurück und rief ein Ordensgericht gegen seine Amtsenthebung an. Als Papst Franziskus den Fall durch eine Kommission untersuchen ließ, verweigerte Festing öffentlich die Zusammenarbeit des Ordens. Auf Druck des Papstes trat der Brite Ende Januar zurück.

 

Gründe für Amtsenthebung bleiben ein Rätsel

Hinter der Amtsenthebung Boeselagers wurden interne Machtkämpfe vermutet. Dazu sagte er, die Gründe seien ihm größtenteils ein Rätsel. Es habe jedoch zunehmend Spannungen zwischen ihm und einigen von Großmeister Festing in den Orden gebrachten Leuten gegeben. Boeselager dankte dem Großmeister für dessen Rücktritt und dem Vatikan für sein Eingreifen. Gemäß den Statuten soll ein neuer Großmeister innerhalb von drei Monaten gewählt werden.

Boeselager sicherte zudem die Zusammenarbeit mit dem angekündigten päpstlichen Delegaten zu, den der Vatikan zur "geistlichen Erneuerung des Ordens" entsenden wollte. Er wisse nicht, woran Franziskus dabei genau denke. Ein Aspekt könne der Nachwuchsmangel im Orden sein. Ob und welche Rolle zukünftig Kardinal Raymond Leo Burke, Kardinalspatron des Ordens, spielt, ist unklar. 

KNA