Anfrage

Seit wann gibt es Hostie und Handkommunion?

Wann wurde die Hostie eingeführt, da Jesus beim letzten Abendmahl doch Brot gereicht hat? Und warum wird die Hostie in die Hand gelegt? A. B., 52428 Jülich

Jesus hat beim letzten Abendmahl vermutlich die damals üblichen Brotfladen benutzt. Das setzte sich insofern fort, dass auch Jahrhunderte später für die Eucharistie „alltägliches“ Brot benutzt wurde, das die Gläubigen zum Gottesdienst mitbrachten. 

Im Wesentlichen haben zwei Gründe ab dem 9. Jahrhundert zu einer Veränderung geführt. Zum einen waren es bei größeren Gruppen praktische Erwägungen, die zu vorgestanzten Hostien (hostia: lat. Opfertier, Schlachtopfer) führten.

Zum anderen, und das war wohl wichtiger, eine verstärkte Sicht auf die Heiligkeit des Brotes. So
verwendete man nur noch „reines“ helles ungesäuertes Weizenbrot. Vor allem aber wollte man den „Krümeln“ entgehen, die beim Brechen eines Brotes zwangsläufig entstehen, denn in jedem Krümel, so die Auffassung, sei Christus ganz und gar gegenwärtig. Wie also damit umgehen, wenn ein Krümel verloren geht?

Etwa seit dem 11. Jahrhundert waren vorgefertigte Hostien deshalb allgemein üblich. Hergestellt wurden sie anfangs von Priestern, später von Ordensfrauen und erst ab dem 19./20. Jahrhundert auch von Laien.

Heute beklagen viele den Verlust des „echten Brotes“. Die Allgemeine Einführung ins Messbuch betont deshalb, das Brot solle als Speise erkennbar und „so beschaffen sein, dass der Priester bei einer Gemeindemesse das Brot wirklich in mehrere Teile brechen kann, die er wenigstens einigen Gläubigen reicht“. (AEM 283).

Was die Handkommunion betrifft: Sie ist die usprüngliche Form. Cyrill von Jerusalem (4. Jahrhundert) beschreibt die Kommunion so: „Wenn du nun hingehst, mache die linke Hand zu einem Thron für die Rechte, die den König empfangen soll, und dann mache die flache Hand hohl und nimm den Leib Christi in Empfang und sage das Amen dazu.“ Doch 500 Jahre später heißt es: „Keinem Laien gebe man die heiligste Eucharistie in die Hand, sondern man lege sie in den Mund.“ Eine übermäßig gesteigerte Ehrfurcht war auch hier der Grund – der bis ins 20. Jahrhundert hinein anhielt.

Von Susanne Haverkamp