02.01.2017

Taizétreffen in Riga

Große Gefühle für Gott

Irgendwo zwischen Großevent und stiller Andacht: 15000 Jugendliche haben beim Taizétreffen in Riga den Jahreswechsel gefeiert.

15000 Jugendliche haben am Taizétreffen
in Riga teilgenommen. Foto: KNA

Jubel brandet auf in der Arena von Riga. Tausende schreien ihre Freude heraus und klatschen in die Hände. Doch kein Eishockeyspiel, kein internationaler Popstar auf der Bühne verzückt das Publikum. Stattdessen sind es die Worte eines recht kleinen Mannes, Anfang 60, in einer reinweißen Kutte. Bruder Alois, der Vorsteher der Gemeinschaft von Taizé, teilt den jungen Pilgern mit, wo das nächste Taizé-Jugendtreffen stattfinden soll.

Bedächtige Worte, eine Kunstpause, Taizé-typische Stille in der Arena, dann die Information: 2017 wird das 40. Europäische Taizé-Jugendtreffen in Basel zu Gast sein. Darauf folgt ein Gefühlsausbruch, ein kurzer Augenblick kontrollierter Ekstase. Eine kleine Schweizer Gruppe auf den Rängen hat ihre Landesflagge mitgebracht, sie wird kurz geschwenkt und dann rasch wieder eingepackt. In der großen Gemeinschaft spielen Nationalitäten keine große Rolle.

Lukas Kundert ist der nächste Redner auf der kleinen Bühne in der großen Arena. Der Schweizer ist Pfarrer am Basler Münster und Präsident der reformierten Kirchen in Basel. "Wir freuen uns auf ein ökumenisches Treffen, das Gemeinsamkeiten statt Unterschiede betont", sagt er. Die Basler seien dankbar, dass die Taizé-Gemeinschaft die Einladung in die Schweiz angenommen habe. Die Stimme gerät ins Stocken. "Ich habe Tränen in den Augen", sagt er. Die Kulisse mit Tausenden beseelten Jugendlichen bewegt auch einen gestandenen Seelsorger.

Emotionaler Höhepunkt der Präsentation ist die kleine Jessica aus Basel, die in kindlichem Englisch in ihre Heimatstadt einlädt. "Wenn nächstes Jahr Gäste zu uns kommen, schlafe ich bei meinem kleinen Bruder im Zimmer, damit wir einen Schlafplatz frei haben." Dazu eine einladende Geste, ein niedliches Lächeln. Das Publikum schmilzt dahin.

 

"Der Heilige Geist weht durch Riga"

Frere Alois, der Prior von Taizé, mit der kleinen Jessica,
die zum nächsten Jugendtreffen nach Basel einlädt. 
Foto: KNA

Emotionen sind ein großes Thema in diesen Tagen der Begegnung. "Der Heilige Geist weht durch Riga. Das Treffen wird von Freude getragen", so nimmt es Bruder Alois wahr. Peteris Betis, Diakon einer baptistischen Gemeinde in Riga, sieht es ganz ähnlich: "Der Heilige Geist ist deutlich wahrzunehmen und belebt uns alle." Der 72-Jährige steht auf der Empore seiner Kirche und lächelt, während unten im Kirchenschiff ein paar hundert der 15.000 jugendlichen Pilger gemeinsam den Jahreswechsel feiern.

Darunter ist auch eine Gruppe aus Leipzig. Die neun Jugendlichen zwischen 17 und 20 Jahren haben ihre Reise selbst organisiert - und sind begeistert von der Gastfreundschaft der Letten. Neben der Gastfamilie, die gleich vier Mitglieder aufgenommen hat, schwärmt Gruppenleiter Kilian Bergauer auch von den spontanen Begegnungen mit anderen Letten: "Die sind alle ein bisschen verrückt, aber super freundlich und hilfsbereit."

Der letzte Gottesdienst des Jahres fällt in der Baptistenkirche freilich sehr musikalisch aus. Gemeinsam werden in der Szene bekannte christliche Popsongs geschmettert. Kneifen gilt nicht: Der Text ist groß per Beamer auf eine Leinwand projiziert, die Melodien gehen schnell ins Ohr. Auch das anschließende «Fest der Nationen» zum Jahreswechsel ist von Musik geprägt. Die Teilnehmer stellen in Ländergruppen bekannte Lieder ihrer Heimat vor. Ein Höhepunkt ist der Chanson-Klassiker "Aux Champs Elysees" von Joe Dassin, den die französische Gruppe zum Besten gibt. Beim Refrain stimmen auch die übrigen Nationen lauthals ein. "Aux" singt hier niemand, stattdessen schallt ein langgezogenes "Ohhhhh" durch das Kirchenschiff. Schallender Applaus für die Franzosen erklingt nach der Darbietung.

Manchem Traditionalisten kann es bei so viel Ausgelassenheit und Emotion schnell ein bisschen zu viel werden. Die Jugendlichen haben aber nicht nur ihr Vergnügen im Kopf. "Uns gefällt am Taizé-Treffen, dass es mehr Gebete und Impulse als bei vergleichbaren Treffen gibt", betont Kilian Bergauer. Mit seiner Gruppe besuchte der 18-Jährige bereits den Weltjugendtag in Krakau. "Das war einfach wie eine große Party. Taizé ist viel stiller."

kna