01.02.2017

Mit glänzenden Reden und klugen Worten überzeugen?

Der Predigtstar

Er sei nicht gekommen, um glänzende Reden zu halten, sagt Paulus. Und kluge Worte habe er auch nicht. Tom Herter und Martin Splett sind in einem Predigtwettbewerb angetreten. Mit glänzenden Reden und klugen Worten?

Pastor Tom Herter hat den Predigerwettbewerb "Preacherslam" gewonnen. Foto: Hermann Haarmann

„Glänzende Reden halten: Das wollten Sie bei dem Wettbewerb „Preacher Slam“ schon, oder?

Herter: Ja. Einen Slam gewinnt man nur mit einer glänzenden Rede.

Splett: Und das ist genau das, was mir Druck gemacht hat. So gesehen ist das nicht so ganz mein Format. Du hast ja auch verdient gewonnen.

Herter: Naja, ich finde das auch etwas unangenehm, wenn meine Person so im Vordergrund steht. Da muss ich ständig meine Motive prüfen: Will ich hier zum Superstar werden oder geht es noch um den Inhalt. Andererseits: Keine falsche Bescheidenheit! Den Inhalt gibt es niemals ohne die Form. Und da wir ziemlich guten Inhalt haben, dürfen wir uns auch gerne um eine zeitgemäße Form bemühen.

Splett: Es geht da wohl um das richtige Verhältnis von Mittel und Zweck: Eine glänzende Rede ist das Mittel, aber der Zweck ist die Verkündigung des Glaubens. Deshalb würde ich die glänzende Rede nicht abwerten. Gut reden zu können, ist nicht unanständig.

 

Und wie sieht es aus mit der „gelehrten Weisheit“?

Splett: Die gefällt mir schon, das gebe ich zu, da bin ich vielleicht etwas theologielastig. Ich finde Theologie eben toll und das, was da gedacht wird, ist es wert, dass auch andere es mitkriegen. Aber ich gebe zu, dass ich da manchmal an meine Grenzen komme.

Herter: Ich würde „glänzende Rede“ ungern gegen Weisheit ausspielen. Wenn ich eine Predigt höre, die theologisch flach ist, dann schalte ich ab. Aber die Verpackung, die Rhetorik muss eben auch stimmen. Ich predige zum Beispiel gern auf humorvolle Art, einfach, weil ich gerne lache und andere zum Lachen bringe.

 

Paulus spricht davon, dass er „in Schwäche und Furcht, zitternd und bebend“ kommt. Haben Sie das auch schon mal erlebt?

Splett: Klar, beim Predigtslam zum Beispiel.

Herter: Ich habe noch nie bei einer Beerdigung gepredigt. Kann jemand, der gezeichnet ist vom Leben, mit meiner Predigt überhaupt etwas anfangen? Das wird bestimmt schwierig.

Splett: Das geht mir in der Klinikseelsorge ähnlich. Da sind Menschen in tiefen Lebenskrisen, und dann komme ich Jungspund und erzähle denen was. Da frage ich mich schon, ob Patienten, die in so viel Dunkel stecken, meine Worte nicht als Hohn empfinden.

Herter: Bei meiner ersten Trauung habe ich auch gezittert. Hochzeiten unterliegen heute so viel Druck. Ich habe gedacht: „Wenn du da jetzt versagst, dann verzeihst du dir das nie!“

Splett: Außerdem finde ich Schwäche und Furcht nicht nur negativ. Manchmal beeindrucken mich die Leute, die zitternd daherkommen, mehr als die Selbstbewussten.

 

Wenn Paulus sich gegen gewandte und kluge Worte und gegen Menschenweisheit richtet: Untergräbt das nicht die Predigt?

Martin Splett (links) predigt als katholischer Theologe
vor allem in der Krankenhausseelsorge, Tom Herter predigt
als Pastor einer Freien Evangelischen Gemeinde.
Foto: Katrin Kolkmeyer

Herter: So ganz glaube ich Paulus nicht. Schließlich hat er bei der Predigt auf dem Areopag in Athen ziemlich kluge Worte benutzt, um die gelehrten Athener zu überzeugen.

Splett: Die Frage ist doch: Wo kommt das her, was ich sage, und wozu wird es gesagt? Und da sage ich: Nicht nur von mir. Ich will jetzt nicht, dass alle Prediger ihre Worte nehmen und den Namen Gottes darunterschreiben. Aber es ist schon so, dass ich in einem Dienst stehe und dass die Botschaft immer besser ist als ich, der Bote.

Herter: Am Ende sind Glaube und Hoffnung nicht machbar. Auch nicht durch eine noch so durchgestylte Predigt.

Splett: Eben. Die Worte sind nur das Medium. Ich habe nicht meine schlauen Worte, die ich euch jetzt gebe, sondern dahinter steckt Kraft, die von woanders her kommt. Das Entscheidende sind am Ende nicht die Argumente, sondern ob mich etwas im Innersten berührt. Der heilige Franziskus hat mal gesagt: „Predige immer und überall – und wenn es sein muss auch mit Worten.“

Herter: Das stimmt einerseits.Aber wir müssen die Dinge, die wir tun, auch deuten. Wir müssen sagen, dass wir uns engagieren, weil wir Gottes Liebe zu den Menschen leben wollen. Und nur durch die Deutung, wird Essen und Trinken zum Abendmahl.

Splett: Dazu fällt mir mein Namenspatron ein, der heilige Martin. Der hat erst mal den Mantel geteilt, einfach so. Das war wichtig. Aber wichtig war auch, dass er später im Traum gemerkt hat: Das habe ich Christus getan …

Herter: Deshalb ist der Text für mich keine Relativierung der Predigt. Aber er zeigt, dass Glaube Gottes Wirken ist, nicht menschliches Mühen. Ohne Gottes Wirken bleibt Verkündigung blass und leer.

Das Gespräch protokollierte Susanne Haverkamp