13.10.2016

Anfrage

Das Abendmahl und das unblutige Kreuzesopfer

Das Opfer Christi wird laut Katechismus in der Eucharistie "gegenwärtig und lebendig".Wie kann ich mir das vorstellen? K.W. M., 64347 Griesheim

Eucharistiefeier und Abendmahl  – das bekommt man noch recht leicht zusammen: Was Jesus den Aposteln (und uns) aufgetragen hat, tun wir in jeder Messe: Wir teilen Brot und Wein – und damit Leib und Blut Christi.

Allerdings feiern wir am Altar nicht nur Gründonnerstag, wir feiern gleichzeitig auch Karfreitag (und Ostern). Denn ohne das Opfer am Karfreitag wäre das Abendmahl am Gründonnerstag unverständlich, schließlich wurde das Blut, das wir teilen, erst am Kreuz vergossen. Erkennbar wird das schon am Altar selbst, der in seiner Form und in seinem Material mehr an einen alttestamentlichen Opferstein als an einen Tisch erinnert.

In der Eucharistiefeier vergegenwärtigen wir uns also nicht nur das Geschehen im Abendmahlssaal. Mindestens ebenso sehr erinnern wir uns an den Karfreitag, an den Moment, als Jesus freiwillig zum „Opferlamm“ wurde, nach alttestamentlicher Vorstellung „geschlachtet“ auf dem „Opferstein des Kreuzes“, um Gott und Mensch miteinander zu versöhnen.

Wir erinnern uns daran aber nicht nur im nostalgischen Rückblick, sondern die Erinnerung ist so stark, dass das Opfer Jesu gegenwärtig gesetzt, also geradezu „lebendig“ wird. Das Kreuzesopfer ist kein einmaliges, längst vergangenes Drama auf Golgata, sondern lebendige Gegenwart, das – natürlich ohne Marterwerkzeuge und deshalb „unblutig“ – für die, die glauben, auf besondere Weise Wirklichkeit wird. 

Vergleiche hinken natürlich immer. Aber ein wenig ist es vielleicht so, wie wenn ein Paar sich am Hochzeitstag Fotos anschaut und das Eheversprechen, das sie einander einst gegeben haben, wieder lebendig, wieder spürbar, wieder aktuell wird. Kein längst vergangenes Ereignis von vor vielen Jahren, sondern bleibende  Wirklichkeit und damit: Sakrament.

Susanne Haverkamp